Systemische Beratung / Familientherapie

 

Gesellschaftliche Veränderungen haben zu einem Wandel herkömmlicher Orientierungs- und Lebensmuster geführt. Eltern besitzen heute immer weniger den Vorsprung an gesellschaftlichen Erfahrungen wie frühere Generationen. Sie befinden sich oft selbst in der Orientierung oder sind von einer verschlechterten Lebenslage betroffen. Fehlende familiäre Sozialisation und gesellschaftliche Orientierungslosigkeit führen bei Kindern und Jugendlichen zunehmend zu psychischen Störungen in den Bereichen Leistung, Wahrnehmung, Emotion und Sozialkontakt. Das System "Familie" ist mit der Bewältigung der Krise überfordert.
Traditionelle Angebote der Hilfen zur Erziehung nach § 27 KJHG, richten sich oft nur an die einzelnen Symptomträger, also meist die Kinder als schwächstes Glied in der Familie. Ambulante Hilfen für die ganze Familie (z. B. SPFH § 31 KJHG) sind weniger ein therapeutisches Angebot als vielmehr eines der konkreten, praktischen Lebenshilfe. Grundlegende Ursachen für Störungen im Familiensystem werden und können damit nicht erkannt und bearbeitet werden.

Eine zeitgemäße Reaktion seitens der Träger von Hilfen jeglicher Form, kann in erster Linie nur die Vernetzung von Möglichkeiten bedeuten, vorhandene Ressourcen der Familien zu entwickeln und zu stärken. Also ist ein ganzheitliches Herangehen und eine Zusammenarbeit mehrerer Hilfeleistender notwendig. Systemische Therapie / Familientherapie wird zu einem wichtigen Bindeglied zwischen einzelnen Hilfen.

Grundlage Systemischer Beratung/ Familientherapie

Dem Ansatz der Systemischen Therapie liegt die Ansicht zu Grunde, das Familien ( hier sind alle in Lebensgemeinschaft lebenden Personen gemeint) in sich agierende und durch Beziehungen und Abhängigkeiten weitgehend geschlossene Systeme bilden. Die darin bewusst und unbewusst ablaufenden Interaktionen bestimmen den sozialen Status jedes einzelnen und damit das soziale Verhalten der zum System gehörenden Mitglieder. Kommt es zu Spannungen und Krisen innerhalb des Systems, die von der Familie nicht gelöst werden, besteht die Möglichkeit, dass Mitglieder der Familie ( meist die Schwächsten ) dem Druck der Konfrontation nicht mehr mit ihrem üblichen Verhaltensweisen stand halten können. Sie reagieren auf die Krise durch verschiedenste Symptome. Anfänglich einfache Verhaltensauffälligkeiten bis zu schweren psychischen und auch physischen Erkrankungen sind die Folge. Diese Zusammenhänge liegen meist verdeckt und sind durch den Verlauf vom Entstehen der Krise bis zur öffentlichen Relevanz der Folgen nicht sofort und einfach ersichtlich. Wird das Verhalten, bzw. die Erkrankung des Symptomträgers so massiv, dass es zur Belastung für die Familie wird, steigt der Leidensdruck aller Beteiligten und ihr Problem wird öffentlich, meist verbunden mit der Angst vor Ansehensverlust im sozialen Umfeld. Die ersuchte Hilfe bei Jugendämtern, Ärzten u.a. soll möglichst schnell und unauffällig Abhilfe schaffen und bleibt auf den Symptomträger fixiert. Die auslösenden Ursachen bleiben meist unerkannt, der Erfolg der Hilfe oft unbefriedigend. Systemisches Arbeiten geht davon aus, das alle in einem System lebenden Personen, auch alle an diesem Problem beteiligt sind und eine Bewältigung einer solchen Krise nur durch die Einbeziehung aller Beteiligten, also der Sicht auf das gesamte System, zum Erfolg führen kann. Grundlage der therapeutischen Arbeit ist dabei ein kurzzeit- und ressourcenorientierter Ansatz.

Aufgaben und Ziele

Dass eine Familie nicht mit einer Krise zurecht kommt, bedeutet nicht, das in ihr keine Ressourcen für eine Bewältigung vorhanden wären. Systemische Beratung stellt sich der Anforderung, die Beteiligten aus der begrenzten Sicht auf das "Problem" herauszuführen, die eigenen positiven Potentiale zur Konfliktlösung zu erkennen, diese zu stärken und zu trainieren, Verhaltensweisen hinterfragen zu können und Sensibilität für alle im System lebenden Personen zu entwickeln. Negative Entwicklungen könnten frühzeitig und erfolgreich unterbrochen werden, eine Fremdunterbringung könnten schneller beendet bzw. vermieden werden.

Die Förderung der Eigenaktivität bei der Krisenbewältigung führt zu einer höheren sozialen Kompetenz der Familienmitglieder. Typische "Klientenkarieren" im öffentlichen Hilfesystem können unterbrochen werden. Die Eigenverantwortung der Familie im Hilfeprozess ist nicht mehr nur abstrakt als Anteil "Elternarbeit" im Hilfeplan formuliert, sondern wird geradezu Basis der Maßnahme. Fremdunterbringung einzelner Familienmitglieder sind nicht mehr einzige Maßnahme der Hilfe, sie werden nur noch zur zeitlich befristeten Deeskalation innerhalb einer Krisenintervention erforderlich.

Zielgruppe 

Das Angebot richtet sich an:

  • Familien die nach §§ 27 ff KJHG Hilfe zur Erziehung beim ASD beantragt haben,
  • Familien die bereits Hilfe zur Erziehung erhalten,
  • getrennt lebende Paare im Sorgerechtskonflikt §§ 17, 28 KJHG

darüber hinaus für:

  • Familienberatung /Therapie
  • Paarberatung,
  • Einzelberatung in denen eine therapeutische Beratung angezeigt ist.

Rahmenbedingungen

Die Systemische Beratung / Familientherapie wird über den freien Träger der Jugendhilfe Verein für Sport u. erlebnisorientierte integrative Sozialarbeit e.V. Ilmenau im Rahmen des § 28 KJHG, angeboten. Sie kann in den Räumen folgender Einrichtungen stattfinden:

  • Ilmenau, 
    Verein für Sport u. erlebnisorientierte integrative Sozialarbeit e.V.
    Ludwig- Jahn- Straße 2a

Die Dauer einer Beratung / Therapie beträgt nach Absprache 5 - 10 Einheiten, incl. Einer Abschlusssitzung. Eine Weiterführung der einzelnen Beratungs-angebote werden zwischen Jugendamt und Verein für Sport u. erlebnisorientierte integrative Sozialarbeit e.V. neu vereinbart bzw. der Privatperson und dem VSS e.V.. Die Sitzungseinheiten pro 1 Stunde werden mit 35,00 Euro in Rechnung gestellt.

Zum therapeutischen Team gehören:

  • Sabrina Schorr (Dipl. Sozialpädagogin / SA, FAM-Arbeiter, Systemische Paar- und Familientherapeutin (IWB))
  • Sybill Hindermann (Dipl. Psychologin, Systemische Familientherapeutin)
  • Ute Oberhoffner (Dipl. Lehrerin, Sozialpädagogin, Coach, Systemische Familientherapeutin)
  • Wilfried Wilfer (Dipl. Sozialpädagoge, Sozialarb., Elterntrainer, Systemischer Familientherapeut)