Erziehungsbeistandschaft und Betreuungshilfe

Problemlagen und Ziele der Erziehungsbeistandschaft und Betreuungshilfe, bei denen der Einsatz eines Erziehungsbeistandes/Betreuungshelfers angezeigt ist, sind:

  • Massive Probleme der Lebensbewältigung
  • Familiäre Probleme - Konflikte mit den Eltern
  • Mangelnde soziale Kompetenzen
  • Beziehungsprobleme, die zu Verhaltensauffälligkeiten führen
  • Schulverweigerung, Schul- bzw. Ausbildungsprobleme, Lern- und Leistungsstörungen
  • Delinquenz, Dissozialität, Kriminalität
  • Drogen- und Suchtproblematik
  • Weglaufen/Trebe

Begriff der Erziehungsbeistandschaft

Die Erziehungsbeistandschaft ist ein Angebot der ambulanten Erziehungshilfe. Ihre Aufgabe besteht darin, Problemlagen von Kindern und Jugendlichen unter Einbezug ihres sozialen Umfeldes (Familie, Schule, peergroup) zu bearbeiten. Die Betreuung setzt das Kind/den Jugendlichen ins Zentrum der Aufmerksamkeit, verlangt aber die Gesprächsbereitschaft und möglichst Mitarbeit der Familie. Im Focus stehen Entwicklungsprobleme des Kindes/Jugendlichen und die Unterstützung der Verselbständigung bei Erhaltung des Lebensbezuges zur Familie. Die Erziehungsbeistandschaft gründet auf den Prinzipien der Freiwilligkeit und Einvernehmlichkeit - was sie entscheidend von der Betreuungshilfe abgrenzt.

Begriff der Betreuungshilfe

Im Gegensatz zur Erziehungsbeistandschaft gründet die Betreuungshilfe nicht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit: Sie ist als ambulante Erziehungshilfe an eine richterliche Betreuungsweisung (gem. § 10 JGG) gebunden. Sie kommt deshalb nur für strafmündige Jugendliche (14-18 Jahre) und im Ausnahmefall für junge Volljährige (bis 21 Jahre) in Frage. Der Betreuungshelfer muss dem Jugendgericht regelmäßig Bericht über die geleistete Arbeit und den Verlauf der Betreuung erstatten. Diese Form der Hilfe zur Erziehung ist von vornherein befristet und die zu bearbeitenden Probleme sind konkret vorgegeben. Das soziale Umfeld muss nicht notwendigerweise in die Maßnahme einbezogen werden.

Problemlagen, Ziele und Zielgruppen

Problemlagen und Ziele der Erziehungsbeistandschaft und Betreuungshilfe

Problemlagen und Ziele der Erziehungsbeistandschaft und Betreuungshilfe, bei denen der Einsatz eines Erziehungsbeistandes/Betreuungshelfers angezeigt ist, sind:

  • Massive Probleme der Lebensbewältigung
  • Familiäre Probleme - Konflikte mit den Eltern
  • Mangelnde soziale Kompetenzen
  • Beziehungsprobleme, die zu Verhaltensauffälligkeiten führen
  • Schulverweigerung, Schul- bzw. Ausbildungsprobleme, Lern- und Leistungsstörungen
  • Delinquenz, Dissozialität, Kriminalität
  • Drogen- und Suchtproblematik
  • Weglaufen/Trebe

Aus den Problemlagen leiten sich die Ziele dieser Hilfeform ab: So können folgende Aufgabenkreise schwerpunktmäßig benannt werden, die jedoch im konkreten Einzelfall wechselseitig zusammenhängen:

Soziale Beziehungen

  • Beziehungsaufbau unter Berücksichtigung der Problematik Nähe und Distanz
  • Unterstützung der Kontakt- und Beziehungsfähigkeit und der Qualität der Beziehungen in der Familie, peergroup, Schule, Ausbildung
  • Reintegration in Familie, Schule, soziales Umfeld
  • Hilfestellung bei Generationskonflikten
  • Training von sozialem Verhalten (z.B. Deeskalations- oder Anti-Gewalt-Training, Konfliktlösungsstrategien)

Schulische Probleme

  • Unterstützung des Schul- und Ausbildungsbesuchs
  • Betreuung von Nachhilfe
  • Thematisierung und Entwicklung schulischer und beruflicher Perspektiven

Freizeit/Persönlichkeitsentwicklung/Gesundheit

  • Unterstützung bei Freizeitgestaltung
  • Interessen finden, entwickeln, ausbauen
  • Stärkung des Selbstwerts
  • Unterstützung bei der Bewältigung von Krisen
  • Umgang mit Medien (Fernsehen, Computer)
  • Hilfe bei Suchtgefährdung

Zur Zielgruppe gehören Kinder, Jugendliche und in Ausnahmefällen junge Volljährige (bis 21 Jahre) und deren Familien, bei denen die genannten Verhaltensauffälligkeiten und Entwicklungsdefizite bzw. Problemsituationen diese Hilfeart anzeigen.

Abgrenzung zu anderen Hilfen zur Erziehung (HzE)

Die Erziehungsbeistandschaft / Betreuungshilfe gem. § 30 KJHG ist eine Maßnahme in der Palette der Hilfen zur Erziehung, die sich auszeichnet durch

  • die Benennung einer konkreten, professionell tätigen Person zum Erziehungsbeistand / Betreuungshelfer (im Gegensatz zur Sozialen Gruppenarbeit)
  • die Tatsache, dass der Eingriff in den Privatbereich weniger massiv als bei Sozialpädagogischer Familienhilfe ist
  • die Focussierung der Hilfe auf das Kind / den Jugendlichen; das bedeutet keinesfalls, dass das umgebende soziale System (v.a. Familie) aus der Hilfe ausgeblendet wird, aber im Zentrum steht das Kind/der Jugendliche - nicht das gesamte System "Familie"

Vernetzung innerhalb des Vereins

Unsere Mitarbeiter des Sozialpädagogischen Teams arbeiten übergreifend in den Bereichen

  • Sozialpädagogische Familienhilfe
  • Erziehungsbeistand/Betreuungshelfer
  • Soziale Gruppenarbeit
  • Schulprojekte
  • Schulsozialarbeit an Berufsschule

Damit können auch bei Maßnahmenwechsel Betreuungskontinuitäten sichergestellt werden und klientenzentriert Arbeitsbeziehungen zwischen dem Mitarbeiter und Klienten weitergeführt werden.

Insgesamt gibt es über die Zusammenarbeit im sozialpädagogische Team hinaus auch die fachliche Vernetzung zu den anderen Angeboten unter Trägerschaft unseres Vereins (offene Kinder- und Jugendarbeit, Tagesgruppe, Vereinssport, FAM, Familientherapie) im Gesamtteam, das mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im vier- bis sechswöchigen Abstand regelmäßig zusammentrifft.

Rahmenbedingungen

Rechtliche Grundlagen

Die rechtliche Grundlage findet sich im § 30 KJHG:

"Der Erziehungsbeistand und der Betreuungshelfer sollen das Kind oder den Jugendlichen bei der Bewältigung von Entwicklungsproblemen unter Einbeziehung des sozialen Umfeldes unterstützen und unter Erhaltung des Lebensbezugs zur Familie seine Verselbständigung fördern."

Die Betreuungshilfe beruht darüber hinaus auf § 10 Abs. 1 JGG (Jugendgerichtsgesetz), der die Betreuungsweisung regelt.

Zum Erziehungsbeistand oder Betreuungshelfer wird eine konkrete Person - eine hauptamtlich tätige pädagogische Fachkraft - benannt. Die Hilfe ist primär pädagogisch ausgerichtet. Ein Zugriffsrecht auf die Wohnung besteht nicht.

Formale Grundlage (Erziehungsbeistandschaft)

Antragsberechtigt auf Hilfe zur Erziehung sind die Familien selbst. Die Entscheidung über die Art und Weise des Einsatzes sowie gegebenenfalls über die erforderlich Einbindung weiterer Fachkompetenzen geschieht auf Grundlage des § 36 Abs. 2 KJHG. Der Bewilligungsbescheid mit Kostenzusicherung ergeht durch das Jugendamt unter Berücksichtigung des Wahlrechts der Familie bzw.

Die formal-rechtliche Grundlage zur Ausführung der Erziehungsbeistandschaft stellt der Auftrag durch das Jugendamt des Ilm-Kreises dar. Ein Hilfeplan, der als Co-Produktion zwischen dem Kind bzw. Jugendlichen, den Eltern bzw. Erziehungsberechtigten, dem Jugendamt und dem Erziehungsbeistand erstellt und von allen unterzeichnet wird, stellt die Basis für die gemeinsame Zusammenarbeit dar. In ihm sind

  • die gemeinsam vereinbarten Ziele in den einzelnen Alltagsbereichen für Kind und Eltern genau beschrieben
  • die Kooperationspartner und Aufträge an diese benannt
  • der Umfang (Wochenstunden) und die vorläufige Dauer der Hilfe bis zur Hilfeplanfortschreibung oder Beendigung der Maßnahme festgelegt

Auftraggeber und Träger der Maßnahme ist das Jugendamt des Ilm-Kreises, welches die Hilfe finanziert. Es übernimmt moderierend die Fachaufsicht.